Berichte Saison 2020

Schweizer Meisterschaft (31. Nov. 20)

Bei der Schweizer Meisterschaft in Märwil absolvierte ich mein letztes Rennen der Saison 2020. In dichtem Nebel und kalten Temperaturen absolvierten wir 175km. Mein Teamkollege Stefan Küng konnte sich den Meistertitel holen. Mir selber fehlte am Ende des Rennens die Spritzigkeit und Frische nach einer langen Saison. Bis zum Schluss war ich in der Gruppe um Rang zwei. Das Ziel erreichte ich jedoch lediglich auf dem 13. Rang.


Giro d'Italia (03. - 25. Okt. 20)

3 Wochen, 21 Etappen, 3497km, von Palermo nach Mailand. Dies war das Programm meiner letzten drei Wochen. Dazu kam sehr viel Spass, unbeschreibliche Emotionen und unvergessliche Augenblicke. Meine Rolle war bereits vor dem Start klar, ich war dabei um unseren Sprinter Arnaud Démare zu unterstützen. Das Team versicherte mir jedoch selbst eigene Chancen zu erhalten um bspw. in Spitzengruppen mein Können zu zeigen und um Etappensiege zu fahren. Bereits auf Sizilien konnten wir das erste Mal jubeln. Arnaud gewann die 4. Etappe mit einem hauchdünnen Vorsprung. Ich war an diesem Tag mit sehr viel Führungsarbeit an der Spitze des Feldes beschäftigt. Es war somit unbeschreiblich mit den Teamkollegen den gemeinsamen Sieg zu feiern. So sollte es jedoch nicht bleiben. In der ersten Woche holte Arnaud noch Siege Nummer zwei und drei. Wie bereits beim ersten Sieg, steuerte ich auch hier meinen Teil zum Erfolg dazu. Ich selbst erhielt auf der neunten Etappe meine erste Freifahrt. Ich wollte den Sprung in die Spitzengruppe schaffen, dies gelang mir. Wir harmonierten gut zusammen. Als wir mit drei Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld den neun Kilometer langen Schlussanstieg in Angriff nahmen, war mir klar, dass ich heute um den Sieg fahren kann. Ich gab bis zum Schluss mein Maximum und erreichte das Ziel als Vierter. Ein toller Abschluss der ersten Giro Woche. 

In Woche zwei erreichte Arnaud Sieg Nummer vier. Ich verbrachte meinen Tag an der Spitze des Feldes und war für die Kontrolle der Spitzengruppe verantwortlich. Es ist einfach unbeschreiblich, wenn man danach die Ziellinie erreicht und Arnaud sich mit einem breiten Grinsen für die vollbrachte Arbeit bedankt! Die weiteren Tage der zweiten Woche war ich damit beschäftigt Arnaud jeweils im Zeitlimit ins Ziel zu bringen. 

Die dritte Woche war sehr anspruchsvoll und bergig. Ich wollte die Etappen nutzen und hoffte vom Team die nötige Freiheit zu erhalten. Auf der 17. Etappe erhielt ich den zweiten Freifahrt. Wiederum wollte ich in die Spitzengruppe, dies gelang mir! Die Etappe war sehr anspruchsvoll mit über 200km und 5000 Höhenmeter. Zwischenzeitlich gelang ich während der Etappe ins Hintertreffen, bis zum Schlussanstieg war alles wieder in Ordnung und ich konnte in der 15 köpfigen Spitzengruppe den Schlussanstieg in Anspruch nehmen und ein zweites Mal um den Sieg fahren. Am Schluss reichte es mir zum fünften Etappenrang. Auf den kommenden Etappen spürte ich die Müdigkeit. Die Arbeit für Arnaud und meine beiden Tage in den Spitzengruppen hinterliessen ihre Spuren. Gerne hätte ich auf der zweitletzten Etappe nochmals etwas gezeigt, jedoch waren meine Batterien leer und die Kräfte verpufft. 

Trotzdem blicke ich auf einen sehr erfolgreichen zweiten Giro d'Italia zurück. Zwei Top 5 Ränge, auf schweren Bergetappen und dazu die vier Etappensiege und Maglia Ciclamino von Arnaud wo ich sehr stark eingebunden war und meine Arbeit und somit meinen Teil dazu beitrug. 


Tirreno Adriatico (07. - 14. Sept. 20)

Nach einer verdienten Pause und drei Wochen ohne Renneinsatz startete ich mit einer gewissen Ungewissheit den Tirreno Adriatico. Acht Etappen und eine Distanz von ca. 1350km standen auf dem Programm. In Mittelitalien war es immer noch sehr warm und die Temperaturen jeweils über 30 Grad. Die ersten 2-3 Tage fehlte mir sicherlich ein bisschen die Rennhärte. Anschliessend kam ich Tag für Tag besser in Schwung. Auf der 4. Etappe schaffte ich den Sprung in die Spitzengruppe. Es sollte jedoch nicht mein Tag sein.Mit einem Vorsprung von 40 Sekunden waren unsere Begleitautos noch hinter dem Feld. Weshalb mein Hinterraddefekt nicht behoben werden konnte und ich mich vom Feld einholen lassen musste. Ein sehr ärgerlicher Moment, da der Kampf um die Spitzengruppe nicht einfach war... In den kommenden Etappen gab ich weiterhin mein Bestes. Meine Aufgabe war es unter anderem unseren Leader so gut als möglich zu unterstützen.Eine Aufgabe welche ich gut erfüllen konnte. Am Ende konnte ich leider kein Topresultat einfahren. Die Gefühle waren jedoch sehr gut und das Rennen kann als sehr sehr gutes Training angesehen werden. Nun heisst es sich gut erholen, einige letzte Trainings zu absolvieren und dann steht einem erfolgreichen Giro d'Italia nichts mehr im Weg. 


Il Lombardia (15. Aug. 20)

Mein zweites Monument. Die Anspannung und Motivation waren sehr gross. Das Rennen begann sehr schnell und es dauerte länger als eine Stunde bis die 11-köpfige Fluchtgruppe entkam. Anschliessend blieb das Tempo recht hoch, da man den Ausreissern nie mehr als 3min erlaubte. Ich fühlte bereits früh im Rennen, dass meine Beine nicht so drehten wie sie sollten. Am Ghisallo konnte ich den Anschluss zum Feld nichtmehr halten. Ich beendete die 230km in einer kleinen Gruppe. Wir erreichten das Ziel leider ausserhalb des Zeitlimits und wurden somit nicht klassiert. 


Tour de l'Ain (07. - 09. Aug. 20)

Wir starteten an der Tour de l'Ain mit einem sehr jungen Team. Mit meinen 26 Jahren war ich der Älteste. Die erste Etappe war relativ flach und endete im Massensprint. Ich erreichte das Ziel zeitgleich mit dem Sieger. Die Etappen zwei und drei waren deutlich anspruchsvoller. Jumbo Visma und Ineos waren mit ihren Tour de France Teams am Start, somit wurde richtig schnell gefahren. Ich konnte auf der zweiten Etappe leider nicht wie gewünscht mithalten und wurde lediglich 41. Auf der dritten Etappe lief es mir besser. Ich konnte länger mit der ersten Gruppe mithalten und erreichte das Ziel als 24. Im Gesamtklassement klassierte ich mich auf dem 28.Rang.


Santini Mont Ventoux (06. Aug. 20)

Mit Valentin Madouas hatten wir einen Fahrer im Team, welcher einen Toprang anvisierte. Ich wollte Valentin so gut wie möglich am berühmten Mont Ventoux unterstützen. Lange ging alles gut, jedoch bekam ich bereits an der ersten Passage des Mont Ventoux Probleme und ich konnte nicht mit dem Hauptfeld mithalten. Eine kleine und unerwartete Enttäuschung. Glücklicherweise fuhr unser Leader ein starkes Rennen und wurde 10.


Vuelta Burgos (28. Juli - 01. Aug. 20)

Die Vuelta Burgos war mein erstes Rennen nach der Corona-Pause. In Spanien war es sehr heiss. Es war ein gutes Rennen um wichtige Rennkilometer zu sammeln. Ich war vor allem mit Helferaufgaben für unseren Leader beschäftigt. Meine eigenen Ambitionen musste ich hinten anstellen. Arnaud Demare wurde zwei Mal Zweiter. Ich verbrachte viele Kilometer an der Spitze des Feldes, wo ich für die Einholung der Spitzengruppen verantwortlich war.Mit meiner aktuellen Form bin ich sehr zufrieden. Ich freue mich auf die kommenden Einsätze.


Teamtrainingslager in Morzine (15. - 21. Juli 20)

Nach einer langen Zeit Zuhause trafen wir uns zu einem Teamtrainingslager in Morzine. Unter Aufsicht eines Trainers konnten wir bei top Bedingungen trainieren. Mit einem Koch, Betreuern und Mechanikern mussten wir Fahrer uns lediglich ums Training Gedanken machen. Aufgrund der Corona Pandemie wurde das Team in drei Gruppen eingeteilt. Die Trainings liefen ganz gut und die Form stimmt für die Wiederaufnahme der Rennen. Es freute mich sehr nach unzähligen Solotrainings endlich wieder einmal mit meinen Teamkollegen zu trainieren. Die Atmosphäre und Stimmung war top.


Boucle Drome (01. März 20)

Das heutige Rennen war wiederum vom Regen begleitet. Trotz des Sturzes vom Vortag konnte ich am Rennen starten. Am Anfang fühlte ich mich gut, doch je länger das Rennen dauerte, desto mehr plagten mich die Folgen des Sturzes. Diese waren am Ende zu präsent und verhinderten ein gutes Resultat. Somit war ich froh nach 210km das Ziel zu erreichen und das Rennen beendet zu haben.


Boucle Ardeche (29. Feb. 20)

Die Boucle Ardeche fand bei kalten Temperaturen und Regen statt. Das Rennen war von vielen Stürzen geprägt. Von unserem Team erwischte es gleich vier Fahrer. Ich selber kam bereits nach 15km in einem Massensturz zu Fall. Ich konnte das Rennen fortsetzen und kam zurück ins Hauptfeld. Dort übernahm ich die Tempoarbeit des Feldes bis unser Leader Valentin Madouas nach 80km selbst stürzte und das Rennen aufgeben musste. Die Folgen des Sturzes und die Tempoarbeit verhinderten ein persönliches gutes Abschneiden. Am Abend bestätigten die Röntgenbilder in meinem Fall glücklicherweise, dass ich nur Prellungen und Schürfungen vom Sturz davon zog. 


Cadel Evans Great Ocean Race (02. Feb. 20)

Zum Abschluss des australischen Aufenthalts starteten wir am Cadel Evans Great Ocean Road Race. Ein Rennes welches zum UCI World Tour Kalender gehört. Die Motivation war hoch und ich wollte mit einem positiven Gefühl nach Hause reisen. Das Rennen war vom starken Wind geprägt. Bereits nach 7km wurde das Feld zum ersten Mal geteilt. Ich befand mich in der zweiten Gruppe und wir konnten den Kontakt zur ersten Gruppe wieder herstellen. Bei zirka 30km geschah mir ein Missgeschick und ich kam zu Fall. Glücklicherweise zog ich mir nur Schürfungen zu und konnte das Rennen fortsetzen. Leider kam ich anschliessend nicht mehr in den Rennmodus. Nach 90km wurde das Feld erneut zerrissen. Leider konnte ich den Kontakt zum Feld nicht mehr herstellen. Ich beendete meinen Renntag nach 120km. Ein rabenschwarzer Tag. Es gilt diesen Tag zu vergessen, aus den Fehlern zu lernen und nach vorne zu schauen. Die Saison hat gerade erst begonnen.


Race Torquay (30. Jan. 20)

Beim Race Torquay handelte es sich um ein Rundstreckenrennen. Dabei galt es einen 13km langen praktisch flachen Kurs 10mal zu bewältigen. Glücklicherweise startete das Rennen erst am Abend, da es am Mittag gegen die 40Grad hatte. Das Rennen wurde wie erwartet im Massensprint entschieden. Ich konnte auf den letzten Kilometern meine Arbeit für unseren Sprinter Sarreau gut erfüllen. Er wurde Sechster. Ich klassierte mich im Hauptfeld auf Rang 37.


Tour Down Under (21. - 26. Jan. 20)

Nach dem Eröffnungskriterium ging die Saison mit der sechstägigen Tour Down Under so richtig los. Die beiden ersten Etappen waren eine Angelegenheit für die Sprinter. Ich beendete beide Etappen im Hauptfeld zeitgleich mit dem Sieger. Die 3. Etappe war um Einiges anspruchsvoller. Sie endete mit einem steilen 1.2km langen Anstieg. Meine Position war am Beginn der Steigung leider nicht ideal. Die 1.2km dauerten lediglich 3-4min und bevor die Steigung begann, war sie auch schon zu Ende. Ich beendete diese Etappe auf Rang 20 mit 23 Sekunden Rückstand. Die Etappen vier und fünf überstand ich ohne weitere besondere Vorkommnisse. Ich beendete diese Etappen jeweils zeitgleich mit dem Sieger. Die sechste Etappe sollte die Entscheidung herbeibringen. Es handelte sich um die „Bergankunft“ in Willunga. Dabei gilt es diese berühmte Steigung zweimal zu bewältigen. Die Steigung dauert rund 7min. Ich startete als 21. im Gesamtklassement und hoffte einen Sprung im Gesamtklassement nach vorne zu schaffen. Dies gelang mir jedoch nicht wie erhofft. Ich verbesserte mich lediglich um einen Rang und beendete die Rundfahrt auf dem 20.Gesamtrang. Die Steigung war am Ende doch zu explosiv und nicht auf meine Fähigkeiten zugeschnitten. Ich konnte mich im Vergleich zum Vorjahr jedoch deutlich steigern und dank der Zeit in Australien war die Form sicherlich besser als noch im vergangenen Jahr. Ich kann somit positiv auf die Rundfahrt und meinen 20. Gesamtrang zurückblicken. 


Teamtrainingslager in Calpe (08. - 18. Dez. 19)

Zehn Tage verbrachte ich mit dem Team zusammen in Calpe. Neben dem Training standen täglich Meetings, Ausmessungen, Fotos, Materialanpassungen und weitere Termine auf dem Programm. Es war schön das gesamte Team zu sehen, da ich einige Fahrer zum letzten Mal im Trainingslager im Dezember 2018 sah. Als wichtiger Punkt stand sicherlich die Besprechung des Rennprogramms für die kommende Saison auf dem Programm. Ich freue mich euch bereits zu informieren, dass ich die Saison 2020 wiederum in Australien beginnen werde. Daneben steht auch eine Grand Tour im Jahr 2020 fix in meinem Kalender. Am 18. Dezember reiste ich müde aber gespannt auf die kommende Saison nach Hause zu meiner Familie um die Weihnachtszeit zu geniessen.